Susanne Meyer denkt Bildung als Brückenbau
Ein Porträt von Professorin Dr. Susanne Meyer, Präsidentin der Hochschule Niederrhein
Diese Haltung von Professorin Meyer kommt im Konzept für den „neuen SKL“ deutlich zum Ausdruck und war ein wichtiger Grund dafür, dass die Deutsche Inkasso Akademie (DIA) und der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU) mit ihr zusammenarbeiten wollten. Denn der Sachkundelehrgang ist für den Verband von existenzieller Bedeutung. Er ist so etwas wie die Lebensversicherung der Branche, ihre Zukunftssicherung. Ohne sachkundige Personen würden nämlich die Führungskräfte fehlen, die in den Unternehmen Verantwortung übernehmen können – und dürfen.
Die Wahl fiel auch deshalb auf die Brückenbauerin Meyer, weil sie sehr konsequent neue Strukturen und Verbindungen zwischen dem theoretischen Rechtswissen und der praktischen Fallarbeit, zwischen Lehrplan und Lernraum und zwischen Lehrenden und Lernenden schuf. Damit wird Wissen nicht nur zuverlässig in Kompetenz verwandelt, sondern zugleich eine Lernatmosphäre geschaffen, in der mit Rücksicht auf die individuellen Voraussetzungen gelernt werden kann und in der starke Netzwerke geschaffen werden können.
Wissenschaftlicher Werdegang und Leitungserfahrung
Meyer ist Professorin für Wirtschaftsrecht mit den Schwerpunkten Gesellschaftsrecht und internationales Vertragsrecht. Ihr Werdegang ist eindrucksvoll. Nach ihrem Studium der Rechtswissenschaften in Mainz, Freiburg und Dijon führte ihr Weg als Rechtsanwältin nach Berlin und Frankfurt. Bis sie vor gut zwanzig Jahren (2005) der Ruf der Wissenschaft wieder nach Berlin zog. Die für sie so typische Kombination aus Praxis und wissenschaftlicher Arbeit blieb dabei für ihren Zugang zu rechtswissenschaftlichen Fragen prägend.
An der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) übernahm sie als Studiengangsleiterin für Wirtschaftsrecht und später auch als Vizepräsidentin die strategische Weiterentwicklung von Studium und Lehre. Sie erlebte die tiefgreifenden Transformationsphasen durch die zunehmende Digitalisierung der Lehre, die Herausforderungen der Pandemie-Semester und die wachsende Diversität in der Studierendenschaft als verantwortliche Leiterin der Hochschule. Die Mutter von zwei Söhnen setzte dabei stets auf Qualität, klare Strukturen und den respektvollen Umgang mit den unterschiedlichen Lebensrealitäten der Lehrenden und der Studierenden.
Hochschuldidaktische Arbeit
Kompetenzorientierung ist vielleicht der eine prägende Begriff für ihr theoretisches Fundament. Sie ist davon überzeugt, dass der beste didaktische Ansatz immer theoretisches Wissen mit der Lern- oder Arbeitsrealität erwachsener Menschen in Einklang bringt. Auf dieser Basis schuf sie Konzepte für berufsbegleitende Bildung in hybriden Formaten – also mit Präsenzphasen, digitalen Lerneinheiten und Selbststudium.
An der Hochschule Niederrhein setzt sie sich nun auch wieder für flexible Studienformate und die konsequente Entwicklung von Weiterbildungsangeboten ein. Die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung ist ihr wichtig. Und mit einer Präsidentin, die Weiterbildung, berufliche Qualifizierung und branchenspezifische Programme als strategisches Arbeitsfeld der Hochschule begreift, wird die Grenze zwischen Studium und professioneller Fortbildung durchlässiger.
Fachliche Spezialisierung im Forderungsmanagement
Mit dem Forderungsmanagement beschäftigt sich Professorin Meyer schon seit einigen Jahren. In Gutachten und Fachbeiträgen hat sie zur Erstattungsfähigkeit von Inkassokosten, rechtlichen Transparenzanforderungen und dem Spannungsfeld zwischen effizientem Forderungseinzug und Verbraucherschutz gearbeitet. Sie kennt die rechtlichen Grauzonen und natürlich auch die reputationsgefährdenden Klischees, mit denen die Branche immer wieder zu kämpfen hat. Auch und gerade diese tiefe fachliche Kenntnis der Branche machte sie zur prädestinierten Gesprächspartnerin für die Entwicklung des neuen Sachkundelehrgangs. Die gemeinsame Arbeit mit Akademie und Verband zeigt beispielhaft, wie akademische Expertise und berufliche Weiterbildung produktiv zusammenwirken können, und bestätigt somit den von Professorin Meyer gewählten Weg als Brückenbauerin zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft.