Das Bild zeigt Tanja Bylda, Leiterin des Bildungsbeirats des Bundesverbands Deutscher Inkasso-Unternehmen und Mitglied der Geschäftsführung der Real Solution Gruppe, Hamburg.
Tanja Bylda ist Vorsitzende des Bildungsbeirats beim Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen e. V. (BDIU) und wesentlich an der Gestaltung der Zusatzqualifikation Forderungsmanagement in der Beruflichen Schule Harburg (BS18) beteiligt.

Tanja Bylda ist Geschäftsführerin und Gesellschafterin der REAL Solution Gruppe aus Hamburg. Das mittelständische, inhabergeführte Unternehmen beschäftigt rund 250 Mitarbeitende in allen Bereichen des professionellen Forderungsmanagements. Bylda verantwortet den operativen Teil des Geschäfts: die Inkassoabwicklung, das kaufmännische Mahnwesen, die Insolvenzbetreuung und Zwangsvollstreckung sowie die telefonische Sachbearbeitung. Zusätzlich verantwortet sie die Stabsstellen Personal und Controlling, während sich die Geschäftsführungskollegen um Marketing, Vertrieb, um das Rechnungswesen sowie die EDV, Programmierung und Strategie kümmern. Bylda ist, so sagt sie selbst im Scherz, die Quotenfrau.

Ihr Lebenslauf klingt nach Bilderbuch: Als Auszubildende gekommen und in gut drei Jahrzehnten über die Sachbearbeitung und die Qualifizierung Schritt für Schritt bis an die Spitze und unter die Gesellschafter. Das nennt man wohl: „Von der Pike auf gelernt.“ 

Von der Pike auf – ja, genau, so kann man das beschreiben. Mit 19, nach einer Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten, bin ich zu REAL Inkasso gekommen. Mitarbeiterin Nummer 12, um genau zu sein. Sachbearbeiterin. Warum? Weil ich im Inkasso endlich selbstständig arbeiten durfte. Beim Anwalt gab es Zettelchen oder das abzuschreibende Diktat. Den Kopf selbst bemühen? Fehlanzeige. Deshalb Inkasso. Da hatte ich praktisch sofort echte Aktenkreise, echte Verantwortung.

Natürlich gehört auch immer ein bisschen Glück dazu: Ende der 90er kam der Mobilfunk groß auf und Versandhandel und E-Commerce starteten ihren Siegeszug. Plötzlich wurden viel mehr Forderungen ins Inkasso übergeben und wie viele Inkassounternehmen zu der Zeit begann auch REAL, deutlich zu wachsen. Und ich immer schön parallel. Von der Sachbearbeiterin zur Stellvertretenden und dann zur Abteilungsleiterin. Dann den Sachkundelehrgang absolviert und weiter zur Prokuristin und Geschäftsführerin. Irgendwann fanden die Kollegen, dass ich jetzt wohl zu viel über das Unternehmen wisse, um mich noch gehen zu lassen, und boten mir an, Gesellschafterin zu werden. Und auch das bin ich nun schon mehr als ein Jahrzehnt.

„Von der Pike auf“ meine ich sehr ernst. Auch wenn ich das Bild im Grunde zu militärisch finde, trifft es den Karriereweg eben doch sehr gut. Als ich anfing, konnte ich nicht besonders viel; das muss man ehrlich sagen. Insofern war ich an der „Pike“ schon richtig postiert. Aber gerade dieser Weg hat auch meine Überzeugung geprägt. Ich bin fest davon überzeugt, dass man alles lernen kann. Das ist weniger eine Frage von Vorbildung oder Talent. Es ist eine Frage von Willen und Vermittlung. Es geht am Ende nicht um das „ob“, sondern um das „wie“ und „wie schnell“.

Ich bin fest davon überzeugt, dass man alles lernen kann. Das ist weniger eine Frage von Vorbildung oder Talent. Es ist eine Frage von Willen und Vermittlung.

– Tanja Bylda

Kontinuierliches Lernen zieht sich wie ein roter Faden durch Ihre Vita. Was ist das? Geht es um Selbstvergewisserung und Selbstbestätigung oder was treibt Sie an?

Das ist ganz einfach die Neugierde und das ständige Abgleichen mit der Wirklichkeit: Ist das, was ich tue, richtig, kann man es besser machen? Es ist auch so, dass man, je weiter es die Karriereleiter nach oben geht, umso weniger Feedback bekommt. Als Anfänger kannst du alle Fragen. Als Fachfrau hast du immer noch Kollegen und Vorgesetzte. Aber als Geschäftsführerin musst du das selbst wissen und musst mit deinem Wissen deinen Leuten helfen. Daher ist Bildung für mich nicht in erster Linie ein Karrierevehikel, sondern das beste Mittel der eigenen Kalibrierung. Meinen Sachkundenlehrgang habe ich 2002 gemacht, noch sehr „old school“ und zu einem Zeitpunkt, als ich schon lange gut im Inkasso war. Das ein oder andere an Studiengang kam dann hinterher. Aber nicht, um eine neue Karrierestufe zu erreichen, sondern um für mich zu prüfen, ob Theorie und Praxis noch im Einklang sind.

Neben dem Lernen ist der Umgang mit Fehlern ein wesentlicher Faktor. Ich gehörte früher zu denen, die sich über die eigenen Fehler wahnsinnig geärgert und damit selbst gelähmt haben. Aber dann habe ich gelernt, meinen Frieden damit zu schließen, dass Fehler zum Leben gehören, dass man aus ihnen lernen muss, um sie möglichst nicht zu wiederholen. Es geht darum, Fehler zu nutzen, nicht darum, sich an ihnen aufzureiben.

Daran erinnere ich mich heute zum Beispiel immer dann bewusst, wenn sich Mitarbeitende entschlossen haben, den Sachkundenlehrgang zu machen. Dann sage ich ihnen, dass sie sich nicht so viel sorgen sollen, denn trotz aller Verwirrung am Anfang des Lehrgangs besteht man die Prüfung am Ende ja doch. Und wenn nicht, ist das auch kein Beinbruch. Dann klappt das eben beim nächsten Mal.

So einen Sachkundelehrgang zu absolvieren, ist keine Selbstverständlichkeit. Er steht für eine hohe Belastung schon durch den Stoff, den es zu lernen gilt. Aber sie wird noch einmal höher, je mehr die eigenen Verpflichtungen dazukommen: Die Zeit für die Familie, für Freunde und Freizeit wird deutlich knapper und sorgt oft genug für Unruhe und Stress. Jedes dritte Wochenende fällt zumindest ein Samstag weg – und fast jeden Abend muss zuhause noch gelernt werden. Monatelang. Das muss man aushalten. Und erst recht, wenn man schon Verantwortung im Unternehmen trägt. Und deshalb sage ich meinen Leuten immer, dass sie sich nicht zu viel Druck machen sollen. Auch SKL-Prüfungen kann man wiederholen, wenn es nötig ist.

Als Geschäftsführerin musst du das selbst wissen und musst mit deinem Wissen deinen Leuten helfen. Daher ist Bildung für mich nicht in erster Linie ein Karrierevehikel, sondern das beste Mittel der eigenen Kalibrierung.

– Tanja Bylda

Bei der Suche nach gutem Nachwuchs sind Sie oft in Rechtsanwaltskanzleien fündig geworden. Wie kommt das? Hat das mit Ihrem eigenen Werdegang zu tun?

Ach, die Gründe sind in Kanzleien oft sehr ähnlich. Es ist schon eine sehr ausgeprägte Oben-/Unten-Kultur in so einer Kanzlei und die Entwicklungsperspektiven sind zumindest in der klassischen Kanzlei doch eher beschränkt. Mehr als einen Bürovorsteher braucht es eben nicht, während anderseits die Arbeitszeiten einem modernen Lebensstil auch nicht entgegenkommen. Das hat viele Leute weggetrieben. Und auch der Ausbildungsgang selbst ist nicht mehr populär. Allein in Hamburg gibt es pro Jahr noch rund 100 Azubis in diesem Beruf – die teilen sich auf Tausende von Kanzleien, Inkassounternehmen, Banken, Leasingfirmen und Versicherungen auf. Wir buhlen alle um dieselben wenigen.

Das war 2002 der Ausgangspunkt für eine eigene Berufsschulklasse, richtig?

Genau. Damals haben sich die Spitzen von EOS und REAL Solution zusammengetan und gesagt: Wir müssen in Hamburg was aufbauen. Die Hansestadt war damals Inkasso-Hochburg. Zudem zeigten sich auch Kolleginnen und Kollegen aus Städten wie Osnabrück und Bremen interessiert und überlegten, sich an der Initiative zu beteiligen. Denn der Befund war klar: Rechtsanwaltsfachangestellte haben zwar den rechtlichen, aber nicht den kaufmännischen Hintergrund, bei den Kaufleuten ist es andersherum. Also haben wir in Hamburg-Harburg gemeinsam eine Berufsschulklasse auf die Beine gestellt: Bürokaufleute mit Zusatzqualifikation Inkasso, zwei Prüfungen – einmal vor der Handelskammer als Bürokaufleute, einmal zum Thema Inkasso. Erste Klasse: 20 Azubis, Ausbildungsbeginn 2002.

In besten Zeiten haben wir acht Azubis pro Jahr in diese Klasse geschickt. Mit Detlev Konow hatten wir zu der Zeit einen Berufsschullehrer, der für die Ausbildung gebrannt hat und der sich regelmäßig bei uns im Tagesgeschäft weiterbildete. Er wollte verstehen, wie wir wirklich arbeiten, damit sein Lehrplan mit der Praxis übereinstimmt. Parallel dazu habe ich mich in den Schulvorstand wählen lassen, um das Ganze auch von der Seite her zu verankern. Ich weiß noch, dass ich damals mit Engelszungen dafür gekämpft habe, dass Zehn-Finger-Schreiben als Fach zu erhalten. Das wollte die Schule abschaffen. Dabei ist gerade bei uns die Tastatur der Dreh- und Angelpunkt der Arbeit. Erfreulich war, dass ich das tatsächlich habe durchsetzen können.

Was ist aus dem Modell geworden?

Ehrlicherweise müssen wir konzedieren, dass dieses Modell strukturelle Probleme hatte. Vor allem der Blockunterricht – zweimal im Jahr fünf, sechs Wochen am Stück in Hamburg – war für kleinere Betriebe aus Osnabrück oder Bremen eine echte Belastung. Die mussten Unterkünfte für ihre Azubis organisieren. Ein weiterer entscheidender Nachteil war, dass sich der Ausbildungsgang nicht verkürzen ließ. Damit waren wir wie aus der Zeit gefallen. Verkürzt wurde überall. Aber drei Jahre fest, das hat leider viele potenzielle Kandidatinnen und Kandidaten abgeschreckt. Der Schock durch die Veröffentlichung der PISA-Studie machte die Lagen noch schlimmer. Denn plötzlich wollten alle unbedingt studieren. Als erste Maßnahme nahmen wir das Wort „Inkasso“ aus dem Namen und machten „Forderungsmanagement“ daraus. Populärer wurde die Ausbildung trotzdem nicht.

In der Zeit haben wir uns dann überlegt, ob wir nicht mit der Fachhochschule Hamburg einen dualen Studiengang entwickeln können: Im Kern ein BWL-Studium mit zwei Wahlpflichtkursen in den Bereichen Recht und Inkassowirtschaft, kombiniert mit der klassischen Ausbildung. Am Ende sollte nach insgesamt viereinhalb Jahren der Kaufmann mit Zusatzqualifikation Forderungsmanagement und dem Bachelor stehen. Wie wir fanden, ein großartiges Modell – für das sich keine Studierenden fanden. Die Einwände der Studierenden waren ernüchternd: kein Auslandssemester, fünf Tage die Woche Präsenz, zu lang, zu viel Struktur.

Wir haben uns wieder dem Ausbildungsgang zugewandt und mit der Schule bzw. der Handelskammer die Verkürzungsmöglichkeit der Ausbildung durchgesetzt. Die Abschlussprüfung in der Zusatzqualifikation Forderungsmanagement wird jetzt nach zwei Jahren abgenommen – das war bisher die Bremse für jede Verkürzung. Konkret: Wer ab dem 1. August 2026 anfängt, hat im August 2028 seine ZQ-Prüfung und könnte theoretisch nach zwei Jahren fertig sein. Als Unternehmen, das ja auch mitspielen muss, sind uns die zwei Jahre aber zu knapp. Um einen sinnvollen Ausbildungsplan mit Rotation durch alle Abteilungen, auch Buchhaltung, Beschaffung, Personal, zu durchlaufen, sind zweieinhalb Jahre schon das Minimum.

Ab dem kommenden Jahr gibt es außerdem eine Teilzeitklasse mit zwei Berufsschultagen pro Woche statt des Blocks. Das macht das Modell für kleinere Betriebe attraktiver, die den Azubi täglich im Betrieb brauchen.

Um einen sinnvollen Ausbildungsplan mit Rotation durch alle Abteilungen, auch Buchhaltung, Beschaffung, Personal, zu durchlaufen, sind zweieinhalb Jahre schon das Minimum.

– Tanja Bylda

Die Teilnehmerzahlen sind trotzdem auf zuletzt vier pro Jahrgang gesunken. Wo sitzt also das Problem wirklich?

Gut beobachtet. Tatsächlich sitzt das Problem tiefer. Zum einen betrifft das die Gesellschaft und ihre Einstellung zur Ausbildung insgesamt. Der „Zwang“, zu studieren, ist noch immer sehr stark. Aber das liegt eben auch an den Schulen und den Lehrenden. Die Weichen werden dort gestellt, und die Botschaft, die dort vermittelt wird, ist ebenso klar wie nur bedingt richtig: Mach Abitur, mach einen Bachelor, dann startest du mit 70.000 Euro – und das ist der einzige richtige Weg. Dass diese Logik brüchig ist, das können wir an vielen Faktoren ablesen. Was aber schlimmer ist, ist dass es auch die Leute an die Unis bringt, die dort einfach nicht glücklich werden. Nicht jede Schülerin, nicht jeder Schüler ist für die Uni gemacht. Wir haben in der telefonischen Sachbearbeitung viele, die mehr als einen Studiengang nicht zu Ende gebracht haben. Das tut mir leid – und ich versuche dann, sie nochmal von einer Ausbildung zu überzeugen.

Ich bin fest davon überzeugt, dass wir mehr Berufsinformation an den Schulen, dass wir mehr Besuche in den Schulen machen sollten, um deutlich zu machen, dass auch diesseits des Studiums gute Berufe mit guten Verdienstmöglichkeiten existieren. Es ist keine zehn Jahre her, dass es solche Gelegenheiten noch gab. Im Zusammenspiel mit den Berufsinformationszentren haben die schon sehr geholfen, Menschen nach ihren Möglichkeiten zu betrachten, nicht nach gesellschaftlichen Wunschvorstellungen. Heute müssen sie auf TikTok und Insta sein, um von den Kids gesehen zu werden. Nur sind das eben keine Kanäle, auf denen unser Thema gut funktioniert. Aber wir müssen uns etwas einfallen lassen, um den Nachwuchs noch zu erreichen. Vielleicht wäre das ein gutes Aktionsfeld für den Verband?

Marke und Begrifflichkeit bleiben ein Problem. Inkasso ist negativ besetzt und der Begriff Forderungsmanagement ist sperrig und fantasiefrei. Was könnte also helfen?

Das ist eine echte Krux. In den Eignungstests, die unsere Kandidatinnen und Kandidaten machen müssen, beschreiben Bewerberinnen und Bewerber oft richtig, was unter Forderungsmanagement zu verstehen ist. Aber es ist völlig „unsexy“. Den Begriff Inkasso kennt dagegen jeder, aber immer noch wird der viel zu oft mit unseriösen Methoden konnotiert. Wir brauchen also Plattformen, auf denen wir sichtbar werden, ohne in die Inkasso-Imagefalle zu tappen. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir Veranstaltungen von Finanzdienstleistern, von Handelskammern, von Versicherungen oder auch von den Großen im E-Commerce nutzen müssen, um stärker für uns werben und mal bei denen fischen, die sonst gern unsere Mitarbeitenden abwerben. Als kleine und mittelständische Unternehmen können wir zwar oft nicht mit Fitnessstudio oder ähnlichen „Goodies“ aufwarten. Aber dafür können wir in Sachen Perspektiven, Fehler- und Arbeitskultur punkten.

Im Recruiting spiegelt sich das noch nicht immer so ganz wider. Aber da kommen dann auch andere Faktoren ins Spiel, wie zum Beispiel ein sehr unterentwickeltes Gefühl von Verbindlichkeit. Oft kommen von zehn zum Vorstellungsgespräch eingeladenen Menschen gerade einmal fünf. Viele melden sich nicht einmal ab. Auch unterschriebene Verträge sind keine Garantie, dass die Auszubildenden tatsächlich kommen. Wir haben das jedes Jahr: unterschriebene Ausbildungsverträge, aber der Azubi kommt trotzdem nicht. Vertragsstrafen sind da sicher auch keine sinnvolle Lösung. Oder wollen wir potenzielle Azubis verklagen und uns dann wundern, wenn sich das herumspricht? Dem Image der Branche würde das sicher auch nicht weiterhelfen.

Gut, das ist kein originäres Inkasso-Problem, stimmt. Und das bestätigen mir auch die Ausbildungsbeauftragten anderer Branchen. Aber das hilft mir auch nicht weiter. Daher konzentrieren wir uns sehr auf den persönlichen Kontakt. Der funktioniert noch immer am besten und ist der erst einmal hergestellt, klappt’s oft auch mit dem Vertrag und Erscheinen.

Und Ihre Vision für Weiterbildung in der Branche?

Mehr Modularität, mehr Bedarfsorientierung, mehr Anpassungsmöglichkeiten an den individuellen Bedarf: Wenn jemand drei Monate in der telefonischen Sachbearbeitung war, ist Kommunikationsfähigkeit in der Regel kein Weiterbildungsbedarf mehr. Dafür muss vielleicht an anderen Stellen der Kompetenz nachgeschärft werden. Diese Flexibilität bei der Weiterbildung, die fehlt mir – unabhängig davon, ob es um einen Quereinsteiger geht, der oder die schnell angelernt werden muss, oder ob es um Führungskompetenz für diejenigen geht, die schon Karriere bei uns machen. Für beide würde ich mir gern passende Angebote für die Weiterbildung zusammenstellen können.

Dazu kommen standardisierbare Pflichtschulungen: Governance, Datensicherheit, DSGVO, Geldwäsche, Anti-Diskriminierung, Arbeitssicherheit – das brauchen alle und das machen auch alle. Die Großen haben dafür Schulungsabteilungen, aber die Kleinen haben das eher nicht. Ich würde es begrüßen, wenn die DIA branchenweite Standardmodule anbieten würde, die für „kleines Geld“ und bei gesicherter Qualität angeboten würden. Dabei gäbe es auch keinen Wettbewerb unter den Mitgliedern, sondern im besten Sinne einen Austausch und ein Voneinanderlernen. Ein Mehrwert für alle – und für das Bild der Branche nach außen.

Governance, Datensicherheit, DSGVO, Geldwäsche, Anti-Diskriminierung, Arbeitssicherheit – das brauchen alle und das machen auch alle. Ich würde es begrüßen, wenn die DIA branchenweite Standardmodule anbieten würde, die für „kleines Geld“ und bei gesicherter Qualität angeboten werden.

– Tanja Bylda

Wir haben anfangs über Ihren Glauben an die Neugier und an das Lernen gesprochen. Was würden Sie der Branche also für die Zukunft mit auf den Weg geben?

Dranbleiben! Nie aufhören, am Besserwerden zu arbeiten. Und: Wir dürfen die jüngere Generation nicht mit Klischees überziehen. Viel zu oft höre ich: Die Jüngeren wollen nicht mehr arbeiten. Das ist Nonsens. Es gibt Leute mit 24, die richtig Karriere machen wollen. Es gibt Leute in meinem Alter, die nicht mehr wollen. Das ist nicht generationsspezifisch. Wir müssen hören, was die Menschen brauchen – und dann dranbleiben und sie davon überzeugen, selbst den Staffelstab aufzunehmen und mitzuhelfen, das Wissen der Branche zu sichern, weiterzuentwickeln und weiterzugeben. Dieses gemeinsame Machen ist die beste Lebensversicherung für unsere Branche.

Das Gespräch mit Tanja Bylda führt Jens Kellersmann.